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| Steinsetzungen |
| Zweck weitgehend unbekannt |
Im Europa der Jungsteinzeit muss sich etwas Großartiges getan haben. Europa ist übersät von Kreisgräben, Steinsetzungen, Großgräbern, astronomisch ausgerichteten Bauwerken und Megalithen. Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung entlang der Küste und auf den kleinen Inseln Teviec und Höedic in der Bucht von Quiberon im Süden der Bretagne gehen auf 10000 v, Chr. zurück. Die ersten Megalith-Gräber, Dolmen mit hochkant stehenden, häufig mit geometrischen Gravuren dekorierten Steinquadern, entstanden bereits in der Jungsteinzeit zwischen 5500-4500 v. Chr. Sie sind also in einer Zeit entstanden, zu der angeblich Europa noch im tiefsten Dunkel der Primitivität schien. Die ägyptischen Pyramiden waren noch nicht erbaut. Die älteste "Zivilisation", die Sumerer begannen gerade ihren kulturellen Aufstieg!
Die meisten der Gewerke sind heute noch geheimnisvoll und niemand weiß wofür unsere Vorfahren tonnenschwere Steine aus Steinbrüchen gebrochen, kilometerweit bewegt und aufgestellt haben. Die meisten Erklärungen laufen auf Gräber hinaus, obwohl in den wenigsten Megalithgebilden menschliche Überreste gefunden wurden. Und die Skelette die gefunden wurden, sind mit großer Wahrscheinlichkeit erst nachträglich in diesen Bauten zur letzten Ruhe gebettet worden. Natürlich wurden auch eindeutige Grabanlagen gefunden, in denen die zur Ruhe gebetteten Leichen in der typischen hockenden Haltung bestattet wurden. Aber diese Gräber waren Gräber nach unserem Verständnis, und zwar Erdbestattungen.
Die Errichtung dieser Steinsetzungen wird einer Megalithkultur (griechisch mega ="groß" und lithos = "Stein") zugeordnet. Nach heutigem Kenntnisstand gibt es aber keine einheitliche Megalithkultur. Die Gewerke wurden danach von einer Reihe nicht miteinander verwandter, primär europäischer Kulturen der Jungsteinzeit und der Bronzezeit errichtet.
Sie errichteten Steinsetzungen aus gestalteten (Malta) oder unbearbeiteten Steinblöcken, oder sie richteten bis zu 350 t schwere Steine (Grand Menhir Brisé) auf, wobei überwiegend bis zu 20 t schwere Steine verwendet. Die Erbauer haben aber keine offenkundige Gemeinsamkeiten, außer dass es sich angeblich sämtlich um Viehzucht und Ackerbau treibende Menschen handelt. Deshalb wird der Begriff "Kultur" als nicht gültig bezeichnet und als eigentlich irreführend angesehen. Theorien über die Verbreitung der Megalithidee durch Wanderung (Hyperdiffussionismus) werden als Spekulationen bezeichnet. Für die Skeptiker liegen zum einen, selbst in Europa, entweder zu große Zeiträume zwischen dem Auftreten, oder zu große Entfernungen zwischen dem zeitgleichen Auftreten. Andererseits ist es aufgrund der enorm langen Zeiträume durchaus möglich, dass die Verbreitung dieser Idee innerhalb Europas möglich war. Auch unsere Vorfahren waren mit Sicherheit mobil:
Neuere Theorien sprechen schon von so genannten Bautrupps, die Megalithbauten im Auftrage der Bevölkerung errichteten. Dabei wurden von den Viehzüchtern und Ackerbauern wahrscheinlich Hilfsdienste verrichtet. Diese Bautrupps waren, so es sie gegeben hat, bereits ein spezialisierter Gesellschaftsteil, der sich nicht nur von Ackerbau und Viehzucht ernährte. Und noch ein Argument: die Trichterbecher-Kultur findet sich zwischen 4.200-2.800 v. Chr. in der Norddeutschen Tiefebene von den Niederlanden bis Polen und im Norden in Dänemark und Südschweden und hat damit ebenfalls eine enorme räumliche und zeitliche Ausdehnung.
Von namentlich nicht näher bestimmten Kulturen wurden in der Bretagne ab etwa 4.500 v. Chr. und später auch auf den Britischen Inseln megalithische Bauten oder Steinsetzungen errichtet, die sogar die Shetlandinseln und die Orkney (Maes Howe, Ring of Brodgar) einschlossen. Sie werden, ebenso wie die Anlagen im Nordkreis in verschiedene Typen eingeteilt. Im Zusammenhang mit ihrer Datierung kann man bei manchen Bauwerkstypen einen zunehmenden Umfang und zunehmende Komplexität ebenso erkennen, wie endzeitlichen Niedergang. Zwischen den niedrigen Steinkreisen der Frühzeit in Beaghmore und so komplexen Kultplätzen wie (Stonehenge, Avebury) am Ende der Epoche finden sich Stufen des Fortschritts. Es wurden in keinem Fall schriftliche Zeugnisse oder piktografische Hinweise auf die Erbauer oder den Zweck der Anlagen gefunden. Einzige logische Erklärung für diese phantastischen Gewerke ist, dass es sich um Kultstätten handelt, mit denen die Erbauer ihre Religiosität praktizierten. Dies wäre auch eine Erklärung warum relativ häufig die Gebilde erkennbar astronomisch ausgerichtet sind. Bevorzugt wurden die Sonnenauf- oder -untergänge zur Sonnenwende anvisiert. Diese Erkenntnis lässt uns heute auch auf das Alter der Bauwerke schließen (durch die Präzision der Erdachse). Megalithische Anlagen sind teilweise vernetzt und stehen im Zusammenhang. Welche das sind ist nicht bekannt (z.B. die Megalithanlagen bei Carnac)
Im Wesentlichen können die Gewerke eingeteilt werden in:
Neuere architektonische und chronologische Untersuchungen belegen, dass mehrere eigenständige, voneinander unabhängige Entstehungszentren vorhanden waren. Und so scheint es, dass in
Interessant bei dieser Betrachtung ist, dass sich die Megalithkultur im Zeitraum von 1500 Jahren von Frankreich nach den nördlichen britischen Inseln und von da nach Skandinavien dem nördlichen Kontinent (Südskandinavien, Norddeutschland, und den Niederlanden) ausgebreitet hat.
In Deutschland liegen über 900 Megalithbauten in den drei großen Küstenländern, sowie in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Einige wenige im südlichen Baden-Württemberg. 53 Anlagen sind in den Niederlanden erhalten und ganz wenige in Belgien. Die Zahlen für Polen sind nicht verlässlich bzw. in den deutschen (Vorkriegs-) Zahlen enthalten. Dänemark hat noch über 2000 und Schweden mehr als 450. Größere Megalithenanlagen in der Schweiz finden sich in Bonvillars, Clendy, Falera, Lutry, Reignier und Sion. Menhire finden sich hier und in Deutschland zwischen dem Saarland und Thüringen.
Vom Charakter der Megalithanlagen nimmt Malta eine gesonderte Position ein. Die ältesten Megalithbauten (Ringanlagen, vor 10500 Jahren errichtet) wurde im Jahre 1995 in Göbekli-Tepe, Ostanatolien ausgegraben. Sie unterscheidet sich von den nordeuropäischen weitgehend unbearbeiteten Steinen durch behauene(!) Megalithen mit Ornamenten.