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| Feste Siedlungen |
| Voraussetzung für größere soziale Verbände |
Vor rund 10.000 Jahren setzte im Großraum zwischen Palästina und der heutigen Türkei ein Prozess ein, der die Lebensweise der Menschen vollkommen veränderte. Nachdem die Menschen Jahrtausende lang als Jäger und Sammler umhergezogen waren, wurden sie irgendwann sesshaft. Er fing an Tiere zu domestizieren, Äcker zu bestellen und Vorräte anzulegen. Es war eine totale Umwälzung der Lebensgewohnheiten.
Die Stammesgemeinschaften schlossen sich zu fest angelegten Dörfern zusammen. Es gab zwar schon vorher vereinzelte Siedlungen, doch wurden nur saisonal genutzten. Die ersten Häuser bestanden aus einem Raum und waren rund. Sie hatten ein Dach aus Schilf, Äste oder Blättern, geglättete gewachsene Böden einen Eingangsbereich und eine Feuerstelle bauten die Siedler runde, einräumige Häuser. Aus statischen Gründen mussten sie eng beieinander stehen. Die Räume hatten geglättete Kalkböden und eine feste Feuerstelle nahe der Tür. Die sesshaften Stämme lebten in einem bescheidenem Wohlstand.
In der Nähe der bekannten antiken Stadt Petra im Süden Jordaniens liegt Beidha, ein etwa 9900 Jahre altes Dorf. Es ist in seiner Art eines der ersten der Menschheit. Das alte Beidha gilt unter Fachleuten als erstes Beispiel für rechteckige Raumkonstruktionen. Sogar eine Unterfütterung durch Keller - vermutlich Werkstätten oder Speisekammern - gehörten zum steinzeitlichen Entwurf. Eine technische Innovation mit weit reichenden Folgen.
Mit Catal Hüyük, Nevali Cori und 'Ain Ghazal bringen archäologische Funde die ersten rechtwinkligen, mehrräumigen Häuser mit Fußböden Wandschmuck zum Vorschein. Sie wurden ab dem 7. Jahrtausend gebaut. Es sind keine ungeordneten Hütten-Haufen mehr, sondern planmäßig angelegten Siedlungen. Das alles ist archäologisch belegbar, nicht so die soziale Struktur dieser Gemeinschaften. Es gab keine Hinweise auf eine bestandene hierarchische Ordnung. Deshalb wird von einer archaischen, oder einer matriarchalischen Gesellschaftsstruktur gesprochen. Matriarchalisch deshalb, weil häufig Fruchtbarkeitsriten und Fruchtbarkeitsgöttinnen in Erscheinung treten.
Gegen 6000 v. Chr. hat die erste vorderasiatische Hochkultur die ihren Zenit im 7. Jahrtausend v. Chr. erreichte ihren totalen Niedergang. Vermutet wird eine katastrophale klimatische Verschlechterung. Die Siedlungen werden aufgegeben und die Bevölkerung zieht sich in regensicherere Gebiete im Westen zurück. Durch den Wohlstand in klimatisch günstigen Zeiten wuchs die Bevölkerung an, die durch die Klimaverschlechterung verursachte Trockenheit lässt gleichzeitig die Ernteerträge schrumpfen, so dass die Ernährung in diesem Gebiet nicht mehr gesichert werden kann. Vielleicht hat auch ein Auslaugen der Böden durch jahrelange Ausbeutung sein übriges getan. Die archäologisch Zeugnisse dieser Zeit belegen einen totalen Niedergang. Der Mensch wird auf seine elementaren Lebensbedürfnisse zurückgeworfen. Das heißt zunächst allemal: Erzeugung von Nahrung, alles andere wird nachrangig.
Nach 5500 v. Chr. wird das ursprüngliche feuchtere Klima wieder in die Region zurückgebracht. Die ursprünglichen Siedlungen werden dennoch nicht wieder besiedelt. Danach entsteht mit einer gut funktionierenden Landwirtschaft im ganzen Vorderen Orient eine ausgeprägte Stadtkultur mit organisatorischen Strukturen. Die ersten Stadt-Staaten entstehen gleichzeitig in Mesopotamien und dem küstennahen Palästina, wo die Blütezeit zwischen 2900 und 2800 v. Chr. erreicht wird.