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Definition der Schrift
Die allgemein gültigen Definitionen (z.B nach Wikipedia) und die Zeit des Auftretens der ersten Schrift ist für mich unbefriedigend, weil sie eine Schrift nur dann anerkannt ist wenn sie aus Zeichen besteht. Aber kann nicht auch z.B.
Selz ein österreichischer Altorientalist sagt "Man muss sich von der traditionellen Vorstellung lösen, dass Schrift an die Wiedergabe von Phonetik gebunden ist". und bei alten Schriftzeichen wie z.B. "der Vinca- Schrift kann man die Bedeutung einzelner Zeichen großteils rekonstruieren, aber in welcher Sprache das zu lesen ist, ist unsicher".
Meine eigene Definition dazu ist:
Zweck der Schrift ist Gedanken oder Sprache zu konservieren, um sie selbst nicht zu vergessen, oder zu einem späteren Zeitpunkt anderen mitzuteilen. Wesentlich dabei ist, die Vereinbarung wofür ein bestimmtes normiertes Gebilde steht. D.h. derjenige der schreibt, muss seine Sprache oder Gedanken in einer vereinbarten Form verfassen, so dass andere aus dem Gebilde den ursprünglichen Sinn auch wieder ableiten können.
Die Wissenschaft geht davon aus, dass sich die abstrakten Schriften aus Bildern entwickelt haben. Wenn ein Vogel gezeichnet wird, kann jeder erkennen dass der Verfasser auch an einen Vogel gedacht hat, als er ihn gezeichnet hat. Also ist die Frage: sind Felsenmalereien tatsächlich Kunst oder hat der Urheber sich selbst oder anderen etwas mitteilen wollen?
Ramses III hat Fresken anfertigen lassen, die der Welt über seine großen Siege berichten. Ist das Schrift? Es werden eindeutig Ereignisse geschildert - nur nicht in Laut-, Silbenschrift oder Logogrammen. Eine ganze Geschichte in einem Relief, Kunst oder Schrift (Bericht)??
Emmanuel Anati datiert die ältesten bekannten Kunstwerke auf ca. 40000 Jahre. Der Professor für Anthropologie im italienischen Lecce hat nach jahrzehntelanger Forschung für die Unesco eine Bestandsaufnahme aller bekannten Fels- und Höhlenmalereien gefertigt.
Europas älteste Gemälde (34000 Jahre) schmücken die Grotte Chauvet in Südfrankreich. Die global ältesten wurden in Südafrika gefunden und auf rund 40000 Jahre datiert. Allerdings gibt es Konkurrenz in Australien, wo Steingravuren auf 75000 Jahre taxiert werden. Diese Datierung ist noch umstritten - stimmt sie, bricht das aktuelle Anthropologen-Weltbild zusammen.
Sechs Millionen Jahre zuvor war der erste Hominide auf dieser Erde aufgetaucht, vor zwei Millionen hatte dieser die ersten veritablen Werkzeuge geformt, vor 100000 Jahren begann er, seine Toten zu beerdigen - ein erster Ausdruck intellektueller Überlegung. Vor 40000 Jahren betrat Homo sapiens in Europa die Bühne, nach Anati ein Wesen mit eigener "Logik", "verhängnisvoller Neugier" und einer "reichen Innenwelt von Anfang an". Das alles gab ihm nach Anati den Wunsch und die Fähigkeit, "sich etwas vorzustellen, zu synthetisieren und zu visualisieren. Das Ergebnis: Kulte, Kultorte und Kunst."
Der französische Papst der Höhlenmalerei Jean Clottes zählt auf: Vor 120.000 Jahren trat der moderne Mensch in Afrika auf, vor 90.000 in Palästina und erst vor 40.000 in Europa - "das sind Zeitspannen, in denen muss sich etwas getan haben". Vielleicht auf Materialien, die sich nicht erhalten haben, Holz zum Beispiel: "Diese Entwicklungsschritte", da ist er sich sicher, "werden wir noch finden."
Ich bin der Meinung, die ursprüngliche Höhen-Malerei, erfüllt die Kriterien einer Schrift. Was ist Schrift anderes, als seine Gedanken zu fixieren und diese Gedanken und Eindrücke ggf. an Andere weiter zugeben. Wie grenzt sich " visuelle Kunst" und Schrift voneinander ab? Lassen sie sich überhaupt trennen? Ist es nicht so, dass auch moderne Gemälde dem Betrachter, die Gefühle des Malers weiter vermitteln (bzw. vermitteln sollen)? Künstlerische Bilder sind nicht gut zu normieren und können auch nur von hierfür begabten Menschen angefertigt werden. Aber "Strichmännchen", also Piktogramme kann jeder malen. Für eine Kommunikation sind sie auch ausreichend. Denkbar ist, eine Entwicklung vom künstlerischen Bild zum vereinfachten "Strichmännchen" für bestimmte Begriffe (Piktogramm). Schon ist der Vorläufer einer Schrift geboren.
Die ersten wissenschaftlich verifizierten Schriften waren ja aneinander gereihte Logogramme also normierte Bilder (siehe Linear A-Schrift, ägyptische Hieroglyphen) Dazu sind m.M. auch die verwendeten Rollsiegel verschiedener Kulturen zu zählen.
In der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends v.Chr. zogen die ersten Siedler vom iranischen Hochland, dem Flusslauf des Karun folgend, in die fruchtbare Ebene von Elam. Die von ihnen gebauten Siedlungen hatten höchstwahrscheinlich schon Beziehungen zu den sumerischen Tempelstaaten in Südmesopotamien.
In der Djemdet- Nasr - Periode ist der wirtschaftliche und politische Einfuß von Sumer denn auch bereits aus Resten nachweisbar.
In Susa wurden in entsprechenden Schichten Stempel und Rollsiegel gefunden, die Ähnlichkeiten mit den sumerischen aufweisen. Aus dieser Zeit stammen auch Tontafeln mit einer piktografischen, bisher unentzifferten Schrift, die Ähnlichkeiten mit der sumerischen aufweist. Ob es sich dabei um einen Vorläufer handelt und ob die Schrift nicht eventuell sogar im iranischen Hochland erfunden wurde, wie einige Forscher vermuten, konnte bisher nicht bewiesen werden.
Die erste Form einer Schrift die entziffert werden konnte, war die sumerische Keilschrift. Sie entstand vor ca. 5000 Jahren in Mesopotamien. Die Schriftzeichen wurden mit Schilf in feuchte Tontäfelchen gedrückt. Sie diente hauptsächlich zur Buchführung und um Vorräte und Besitz zu dokumentieren.
Inwieweit sich in anderen ggf. älteren Kulturen bereits Schriften, Aufzeichnungen von Piktogrammen o.ä. entwickelt haben ist wissenschaftlich nicht verifiziert. Man vermutet dass schriftliche Aufzeichnungen von verschiedenen Kulturen bereits in sehr frühen Epochen verwendet wurden, sie aber nicht entziffert werden können, weil wir die "Vereinbarungen" die dahinter stehen nicht kennen.
Nachfolgend 4 Beispiele:
Markierungen auf einem Rentierknochen
Als 1965 der Archäologe Alexander Marshack von der Harvard University das 32 000 Jahre alte Fragment eines Rentierknochens (unten) unter das Mikroskop legte, glaubte er, eine vage Vorstellung davon erhalten zu haben, wie die steinzeitlichen Cromagnon Menschen gedacht haben mögen. In den Schlangenlinien der eingravierten Markierungen - die man für zufällige oder dekorative Gravuren jener Art gehalten hatte, wie sie sich auf anderen Artefakten aus der Steinzeit fanden - erkannte er plötzlich eine Absicht, Wiederholungen, die mit unterschiedlichen Werkzeugen bewusst aufgebracht worden waren. Der Wissenschaftler war überzeugt, dass der 1911 in der Dordogne gefundene Knochen die älteste bekannte Schrift aufwies. Anscheinend hatten die Höhlenbewohner Tausende von Jahren vor der ersten echten Schrift eine Art der schriftlichen Kommunikation entwickelt.
Marshack stellte die weitergehende Theorie auf, bei den Inschriften auf dem Knochen handle es sich um astronomische Zeichen. Demzufolge hätte irgendein Himmelsbeobachter aus der Cromagnon- Zeit den Verlauf der Jahreszeiten festgehalten, indem er die Mondphasen in seinem Kalender aus Knochen notierte.
Mittlerweile hat Marshack auf 15 weiteren steinzeitlichen Objekten Markierungen gefunden, die seiner Ansicht nach Mondkalender darstellen; andere Gravuren, so meint er, könnten die Zahl getöteter Beutetiere wiedergeben.
Marshacks Kalender-Theorie konnte sich bis heute nicht durchsetzen. Während einige seiner Gegner den Markierungen keine besondere Bedeutung beimessen, bieten andere abweichende Erklärungen an: Jean de Heinzelin, ein Geologe und Archäologe, ist der Meinung, dass die Striche und Punkte auf dem Artefakt die älteste bekannte arithmetische Berechnung darstellen würden. Seiner Theorie zufolge haben die Menschen der letzten Eiszeit bereits über ein Zahlensystem mit der Grundzahl Zehn verfügt und auch schon Primzahlen gekannt.
Inschriften in Ton
5000 Jahre vor der Erfindung der Schrift in Sumer verfügten mesopotamische Kaufleute und Aufseher offenbar über ein System, das eine ähnliche Funktion erfüllte.
Nach Meinung der Orientalistin Denise Schmandt- Besserat benutzten im 9. Jahrtausend v. Chr. (also vor 11000 Jahren) die Menschen in Vorderasien kleine Tonobjekte in geometrischen Formen, um über die Waren, die sie kauften, verkauften oder lagerten, Buch zu führen. Aus Inschriften auf jüngeren Tontafeln leitete sie die Bedeutung der verschiedenen Objektformen ab: Eine kreisförmige Scheibe mit einem Kreuz stellte ein Schaf dar, ein Rechteck bedeutete eine Kornkammer, und ein Dreieck mit mehreren Strichen stand für Metall. Kugeln von verschiedenen Größen waren gleichbedeutend mit Zahlen.
Gegen Ende des 4. vorchristlichen Jahrtausends entwickelten die Mesopotamier die Praxis, die Objekte in Tonkugeln von der Größe eines Tennisballs zu verwahren. Solange der Ton noch weich war, wurden sie markiert, so dass man ablesen konnte, was sie enthielten, und anschließend versiegelt. Das System verhinderte Manipulationen, war aber umständlich und wurde deshalb durch Schreibtafeln ersetzt. Schmandt- Besserats Theorie hat ihre Kritiker, die nicht glauben, dass sich die Schrift aus den Markierungen entwickelt habe. Ihrer Meinung nach sind die Urformen der Schrift verloren gegangen; die Schrift sei gleichzeitig mit und unabhängig von den Kugeln entstanden.
Schrift auf Schildkröten-Panzern
Symbole auf 8.600 Jahre alten Schildkröten-Panzern geben Archäologen Rätsel auf. Während sie ihre Entdecker für die bisher ältesten gefundenen Schriftzeichen der Welt halten, zeigen sich andere Experten skeptisch. Sollte es sich bei den Zeichen aus der späten Steinzeit tatsächlich um eine Art von Schrift handeln, würden sie die ältesten bisher bekannten Schriftzeugnisse aus Mesopotamien um mehr als 2000 Jahre "übertreffen". Die Archäologen glauben, dass sie Ähnlichkeiten mit einer Schrift der Shang-Dynastie haben, die von 1700 bis 1100 vor Christus gedauert hat.
Elf Symbole in Westchina entdeckt
Wie BBC Online am berichtete, konnten Garman Harbottle vom Brookhaven National Laboratory in New York und ein Forscherteam chinesischer Archäologen insgesamt elf unterschiedliche Symbole auf den Schildkröten-Panzern entdecken.
Fundort waren 24 Gräber aus dem Neolithikum in Jiahu, in der Provinz Henan im Westen von China.
Zeichen von "Auge", "Fenster" und Zahlen
Nach Ansicht von Harbottle haben die Symbole Ähnlichkeiten mit der Schrift aus der Shang-Dynastie.
Unter ihnen finden sich die Zeichen von "Auge", "Fenster" sowie die Zahlen Acht und Zwanzig.
Kritiker: Kultur nicht komplex genug
David Keightley von der University of California in Berkeley zeigte sich gegenüber dieser Verbindung aber sehr skeptisch - vor allem was das "zeitliche Loch" von etwa 5.000 Jahren zwischen Schildkrötenpanzer und Shang-Dynastie betrifft.
Laut BBC Online hält er den Fund für eine "Anomalie" und weitere Beweise für unbedingt notwendig, "um die Zeichen eine Schrift zu nennen".
Es gebe Hinweise darauf, dass die spätsteinzeitliche Kultur von Jiahu nicht komplex genug war, um ein eigenes Schriftsystem zu benötigen.
Vinca-Schrift
Die Vinca-Kultur erstreckte sich vom 6. bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. (vor 8000-5000 Jahre im Südosten Europas entlang des Donaubeckens, im Gebiet des heutigen Rumänien, Serbien, Bulgarien und Mazedonien. Benannt nach dem 14 km östlich von Belgrad gelegen Fundort Vinca gilt sie bei vielen heute als die älteste Zivilisation der Menschheit. Die neolithische Vinca-Zivilisation zeichnet sich durch eine vielgestaltige, religiöse Symbolik aus, wie sie aus Kultgegenständen und Votivgaben rekonstruiert werden konnte. Oft sind diese mit einer Vielzahl geometrischer Muster verziert, wobei sich bestimmte Gruppen von Artefakten dadurch abheben, dass ihre unregelmäßig asymmetrischen Verzierungen als Schriftzeichen (Vinca-Schrift) und nicht nur als
bloßes Ornament ausgewiesen wurden. Allerdings ist diese Interpretation als ältestes bekanntes Schriftsystem der Welt aufgrund der wenigen Fundstücke, der Kürze der Zeichenreihen (85% der Funde bestehen aus nur einem Zeichen) und aufgrund des Mangels an wiederholten Symbolen umstritten. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist die Vinca-Schrift bis heute nicht entziffert; aber sie weist bedeutende Parallelen zu der Schrift "kretisch linear A" auf, die mit den späteren Schriften des kretisch-mykenischen Kulturbereichs nur wenige Gemeinsamkeiten hat und ebenfalls noch nicht entziffert wurde.
Symbole aus der älteren Vinca-Periode (6. - 5. Jahrtausend v.Chr.):
Tontafeln aus Transsylvanien
Die Grabungen, die 1961 an einem prähistorischen Hügel in der transsilvanischen Stadt Tartaria begannen, sollten lediglich Licht auf eine früher freigelegte archäologische Stätte in der nähe werfen. Doch was dann zutage kam, versetzte die Fachwelt in Erstaunen: drei kleine Tontafeln (siehe Abbildung) mit Markierungen, die wie eine Schrift aussahen. Mittels Radiokarbonverfahren stellte man fest, dass die Tafeln aus der Zeit um 4000
v. Chr. (vor 6000 Jahren) stammten. Der Fund legte eine sensationelle Vermutung nahe: Womöglich hatte nicht das zivilisierte Sumer die Schrift hervorgebracht, sondern das barbarische Osteuropa.
Die drei Tafeln lagen in der untersten Schicht des Hügels, bei dem es sich, wie der gleichzeitige Fund menschlicher Knochen zeigte, offenbar um eine Opferstätte handelte. Die Zeichen, die sie aufwiesen, ähnelten den Inschriften auf den Tafeln aus Sumer und der höherentwickelten minoischen Kultur auf Kreta. Wenn die Karbondatierung zutraf, so waren die Tafeln der Vinca- Kultur zuzurechnen, einem sesshaften Volk, das dort in der Frühsteinzeit gelebt hatte, und damit 1000 beziehungsweise 2000 Jahre älter als die sumerischen und minoischen Inschriften. Die Idee schien kühn und warf viele unlösbare Probleme auf. Angenommen, die Schrift wäre in der Steinzeit in Europa und nicht in der Bronzezeit in Sumer entwickelt worden, so schien es unlogisch, dass sie 1000 Jahre früher ins ferne Sumer gelangt sein sollte als auf die näher gelegene Insel Kreta. Außerdem haben Prähistoriker die Entstehung der Schrift in Mesopotamien von ihren Anfängen als Bilderschrift bis zur ausgefeilten Schreibschrift dokumentiert. In Osteuropa gab es keinerlei Hinweis auf eine solche Entwicklung.
Es gibt Stimmen, die behaupten, die Karbondatierung sei fehlerhaft gewesen. Andere nehmen an, dass die Tafeln aus einer späteren Periode der Vinca- Kultur, die auf die Schriftentwicklung in Sumer folgte, entstanden und auf irgendeinem geheimnisvollen Wege in den Hügel gelangt seien. Und schließlich gibt es die Theorie, dass die tartarischen Schrifttafeln gar keine Schrift zeigen, sondern ungelenke Kopien der "magischen Symbole" darstellen würden, die die Transsylvanier auf Gefäßen bewunderten, die Händler aus der höherentwickelten Kultur im Vorderen Orient herübergebracht hätten. Als die Zeichen kopiert wurden, seien die Sumerer längst zu einer verfeinerter Schriftart übergegangen.
Eine Schrift aus Knoten
Als die spanischen Eroberer im 15. Jahrhundert zufällig auf das weite Reich der Inkas stießen, fanden sie Menschen, die in vielerlei Hinsicht mindestens ebenso fortschrittlich waren wie sie selbst- mit einem bemerkenswerten Unterschied, dass die Inkas keine herkömmliche Form der Schrift kannten. Der Inka- Herrscher und seine Untertanen benutzten statt dessen den quipu, ein Bündel von kompliziert verknoteten Schnüren, mit denen sie jeden wichtigen Aspekt ihrer Kultur protokollierten. Das System funktionierte "mit solcher Genauigkeit, dass noch nicht einmal ein Paar Sandalen" aus dem Vorratslager des Reiches fehlen konnten, schrieb der Spanier Pedro Cieza de Leön in seiner seit 1541 verfassten Chronik über Peru vor der spanischen Eroberung. Ein Quipu (das Quetchua- Wort für "Knoten") bestand in der Regel aus einer Kopfschnur, von der etwa hundert Schnüre verschiedener Farben und Längen herabhingen. Oft wurden noch mehr Schnüre an den Hauptstrang angebracht, so dass ein Bündel von bis zu mehreren tausend Schnüren entstand.
Die Position und Zahl der Knoten an einer Schnur hatten eine genaue Bedeutung. Ein einzelner Knoten oben war gleich 1000, ein Knoten auf der nächsten Ebene bedeutete 100, und ein Knoten am Ende des Fadens entsprach der Zahl 1. Eine Gruppe von vier Knoten bedeutete je nach ihrer Position 4000, 400, 40 oder 4.
Von rechts nach links gelesen, ergaben die Schnüre eine hervorragende Datenbank. Verschiedene Farben dienten der weiteren Kennzeichnung: Weiß für Frieden, Gelb für Gold oder Mais, Rot für Blut oder Krieg.
Die Quipus waren für das Leben der Inkas von großer Bedeutung. Während der Inka-Herrscher sie zu strategischen Zwecken gebrauchte, um beispielsweise die Größe seiner Armee aufzuzeichnen, benutzte eine Inka-Familie den Quipu in der Regel, um über ihren Besitz wie Gold, Silber, Kleidung, Mais oder Lamas genau Buch zu führen. Von den Männern der Oberschicht wurde erwartet, dass sie die Quipu lesen lernten, und jeder Distrikt des Reiches beschäftigte so genannte quipucamayocs oder "Knotenführer", die Quipus über wichtige Bereiche wie Steuereinnahmen und Volkszählungsdaten führten.
Die Quipus dienten auch zur mündlichen Überlieferung der Geschichte. Durch Quipus soll der Inka-Herrscher die unheilvolle Nachricht von der Ankunft der spanischen Eroberer erhalten haben.
Obwohl sie diese Kunst perfektionierten, waren die Inkas nicht die ersten, die die Knotentechnik zur Berichterstattung benutzten. Ein früheres Andenvolk soll bereits um das Jahr 700 Quipus für die Buchführung gebraucht haben. Im 1 Ging, einem alten chinesischen Buch der Weissagung, wird angegeben, dass die Chinesen vermutlich im 1. Jahrtausend v. Chr. "mit Hilfe des Systems der verknoteten Schnüre regiert wurden". Selbst heute verknoten Arbeiter auf den Ryukyu- Inseln zwischen Japan und Taiwan Fäden, um ihre Arbeitstage aufzuzeichnen, und südamerikanische Einheimische benutzen ein Gerät mit Knoten, um ihren Viehbestand vermerken zu können.
Diese Knotenschrift ist mittlerweile entziffert und wissenschaftlich anerkannt. Sie zeigt, dass eine Schrift nicht unbedingt einer uns, in der westlichen Welt geläufigen Logik entspringen muss.
Die Archaischen Texte von Uruk
Tontafeln mit den ältesten bekannten Schriftdokumenten
aus der Stadt Uruk in Mesopotamien (3200-3000 v. Chr.)
Diese Tontafel gehört zu jenen ältesten erhaltenen Schriftdokumenten, die nach ihrem hauptsächlichen Fundort (siehe Bild 2) als die Archaischen Texte aus Uruk bezeichnet werden. Insgesamt sind knapp 4500 solcher Tafeln (einschließlich Fragmenten) ans Licht gebracht worden. Nach der Form der darin eingedrückten Schriftzeichen lassen sich zwei Schriftstufen unterscheiden: eine ältere mit noch ziemlich bildhaftem Charakter und eine jüngere, schon stärker abstrahierte. Gemäß diesem Kriterium ist die hier abgebildete Tafel der jüngeren Schriftstufe zuzuordnen (rund 3000 vor Christus). Dank umfangreicher Forschungsarbeiten der Autoren konnten inzwischen knapp drei Viertel der insgesamt 706 in den Archaischen Texten aus Uruk auftretenden Schriftzeichen gedeutet werden. Auf der gezeigten Tafel ist eine Anzahl von Behältern verzeichnet, die bestimmte Mengen von Milchprodukten enthielten. Daneben sind vermutlich die an der Transaktion beteiligten Personen genannt. Grundsätzlich sind in den ältesten Schriftzeugnissen nur Dinge im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Vorgängen festgehalten.
Zwei verschiedene Versionen einer Liste von Beamten- und Berufsnamen, die über eine lange Zeit immer wieder als Schultext, das heißt als Übungstext für angehende Schreiber, abgeschrieben worden waren. Bei der älteren Abschrift (links) handelt es sich um das größte erhaltene Fragment der jüngeren Textgruppe der Archaischen Texte aus Uruk. Die Keilschrift-Version aus Fara (rechts) ist vollständig erhalten.
Beginn der Liste der Beamten- und Berufsnamen in drei Abschriften aus unterschiedlichen Zeiten. Während die Zeichen stets in der gleichen Reihenfolge angeordnet sind, ändert sich ihr Aussehen: Sie erscheinen immer stärker abstrahiert. Anhand solcher Listen lässt sich daher auf einfache Weise die Entwicklung der Zeichenformen nachvollziehen. Zugleich sind sie das wichtigste Hilfsmittel bei der Zuordnung und Deutung der Zeichen.
Die schrittweise Entwicklung einiger ausgewählter Schriftzeichen von ihrer noch stark bildlichen Urform bis hin zu den abstrakten Zeichen der voll ausgebildeten Keilschrift.