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Tiahuanaco
Womöglich älteste Tempelanlage Amerikas

Geografische Lage der Stätte
Tiahuanaco liegt in Bolivien, 60 km von La Paz und heute 20 km von dem 3812 Meter hoch gelegenen Titicacasee entfernt im Altiplano - einem Hochland, das "Tibet der Neuen Welt" genannt wurde und sehr rauhes Klima hat. Das historische Tiahuanacao war das religiöse und administrative Zentrum einer präkolumbischen Kultur rund um den Titicaca-See in der Zeit von 1500 v. Chr. bis 1200 n. Chr. Ursprünglich lag die Stadt direkt am südlichen Ende des Sees. Durch Verdunstung verlor der See seine ehemalige Ausdehnung, wodurch der Ort heute etwa 20 km vom Ufer entfernt liegt. Die sagenumwobene Ruinenstätte hat eine Gesamtfläche von etwa 450 000 Quadratmetern

Entstehungslegende
Der Schöpfergott Viracocha, habe sich in Tiahuanaco aufgehalten und auf großen Steinplatten Reliefbilder und Zeichnungen entworfen, als Plan für alles, was er zu schaffen gedachte; die Menschen, die er dort ins Leben rief, hätten noch alle dieselbe Sprache gesprochen und sich von Tiahuanaco aus über alle Welt ausgebreitet, nachdem sie Bauwerke dieses Platzes zu Ehren ihres Schöpfers errichtet hätten.
Die Völker des Inkareiches sahen in den großen Steinfiguren in der bereits zu ihrer Zeit sehr alten Ruinenstätte von Tiahuanaco die versteinerte Riesen der Vorzeit. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass die gewaltigen Bauwerke und Plastiken von Menschen errichtet wurden.

Das Sonnentor
Die sagenumwobene Ruinenstätte bestand aus zahlreichen Großbauten, die aus Sandstein, oder aus sehr hartem Andesit mörtellos zusammengefügt wurden. Derzeit bolivianische Archäologen versuchen, mehrere Bauten zu restaurieren, vor allem die sogenannte "Kalasasaya". Das ist die Stätte, zu der auch das berühmte, mit reichem Reliefschmuck verzierte Sonnentor gehört. Es ist etwa 3 m hoch und 3,75 m breit und wurde aus einem einzigen Andesitblock herausgemeisselt. Das bearbeitete Gewicht beträgt etwa 10 bis 12 Tonnen, der unbehauene Block musste doppelt so schwer gewesen sein. Die Reliefs zeigen den Sonnengott mit Kondorzeptern in den Händen, umgeben von 148 kleineren, geflügelten Gestalten. Das maskenhafte Gesicht des Sonnengottes wird von einem strahlenförmigen Kopfputz umrahmt. Dieses Motiv befindet sich auch auf der Raimondi-Stele aus Chavín de Huántar. Auch die Rückseite des Sonnentores ist bemerkenswert Nach dem Untergang der Kultur stürzt es vermutlich durch ein Erdbeben um und zerbrach in zwei Teile. 1908 wurde es wieder aufgerichtet. In den Friesen des Sonnentores erkannte der deutsche Archäologe Arthur Posnanskydarin einen Kalender, der das Jahr in zwölf Monate und 365 Tage aufteilte. Seiner Ansicht datierte dieser, sowohl die Frühlings- und die Herbst- Tagundnachtgleiche, als auch die Winter- und Sommersonnenwende

Das Ruinenfeld "Puma Puncu"
Der Bezirk "Acapana" besteht aus einer aufgeschichteten Terrasse von 15 Metern Höhe und wurde als Tempel, Befestigungsanlage oder Opferstätte gedeutet. Im Ruinenfeld "Puma Puncu" finden sich gewaltig Steine aus Andesit und Trachyt. seit Jahrhunderten wird diese historische Anlage als Steinbruch missbraucht und beraubt. Nur die gewaltige Größe vieler Steinblöcke hat verhindert, dass noch mehr von dem einstigen Reichtum verschleppt wurde. Fachleute schätzen das Gewicht der steinernen Basisplatten für Einzelbauten mit über 100 Tonnen! "Wasserleitungsrinnen", 2 Meter lang und einen halben Meter breit, lassen sich vernünftiger als Kabelleitungen interpretieren. Sie sind mit einer Präzision ausgeführt, die an heutige Betongüsse erinnert. Die Gesamtanlage wurde offensichtlich nie fertig gebaut. Es befinden sich da kolossale Werkstücke, die an Produkte moderner Bauelemente-Fabriken erinnern und die ihren Bestimmungsort nie erreicht haben. Die Ursache für die Bauunterbrechung ist unbekannt und wird auch in den Sagen der Inka Zeit nicht berücksichtigt. Mit schweren Steinplatten überdachte Räume, die an Bunker erinnern, sind nur durch winzige Öffnungen zugänglich und werden von den Archäologen als "Grabkammern" interpretiert, andere als "unterirdische Behausungen von Priestern", Der Anlage von Puma-Puncu sind riesige Molen aus Steinblöcken vorgelagert, die ein doppeltes Hafenbecken bilden.

Während der Zeit ihrer Errichtung muss Tiahuanaco unmittelbar am Titicacasee gelegen haben, dessen Wasserspiegel damals ca. 35 Meter höher lag als heute. Die imposante Anlage stammt aus Prä-Inka-Epochen. Der deutsche Archäologe Arthur Posnansky ermittelte aufgrund von Präzessions-Daten ein "vorsintflutliches Alter" 15000 Jahre v.Chr.), was durch Kontrollmessungen auf 8000 Jahre relativiert wurden. Unter Einbeziehung von Messungenauigkeiten verjüngte man das Alter auf 6000 bis 4000 Jahre.

Andere Wissenschafts-Fraktionen schreiben den Bau den Aymara-Indios zu. Ob allerdings die Aymara-Indios die zu dieser Zeit das Gebiet bevölkerten, ist ebenso ungewiss wie das tatsächliche Alter der Bauten.
Ein weiteres Rätsel ist die Tatsache wie Menschen in einer Seehöhe von fast 4000m (der normale Mitteleuropäer würde an der Höhenkrankheit sterben) diese Bauleisungen erbracht haben können. Und... wie konnte das rauhe Hochland, die für einen solchen Bau nötigen Menschenmassen ernährt haben. Und... wie konnten mit den einfachen Werkzeugen der damaligen Zeit das zweifellos sehr harte Baumaterial in die Form gigantischer Steinblöcke millimetergenau bearbeitet. Die tonnenschweren Steine wurden offensichtlich aus Steinbrüchen beshafft die bis zu 300 km entfernten waren. Wie haben "die" das gemacht? Angeblich gab es ja bei den amerikanischen Kulturen das "Rad" nicht!

Der Amerikanist Hans Dietrich Disselhoff schrieb die Sätze: "War Tiahuanaco zur Zeit seiner Hochblüte mehr als ein Mekka im höchsten bewohnten Hochland, wo die Luft für gewöhnliche Sterbliche schwer zu atmen ist . . .? Welche Völkerschaften waren Träger der Tiahuanaco-Kultur? . . . Der nächste Steinbruch liegt über fünf Kilometer weit entfernt. Diese Tatsache ließ immer wieder moderne Legenden entstehen. Zum Transport der schweren Blöcke waren außer vielen Armen auch Rollen aus Baumstämmen nötig. Wo wuchsen die Bäume? I-förmige Krampen aus Kupfer hielten diese Steine zusammen . . ." Die Tatsache, dass auch Vertreter der Fachwissenschafen solche Fragezeichen setzen, ist schon bemerkenswert.

Sagen und Mythen
Die geflügelten "Wesen" des Sonnentores erinnern, an die weltweit verbreiteten Sagen von flugfähigen Götterwesen, zudem der eigenartige Nasenschmuck der Steinfiguren stark an Atemgeräte erinnert,

Der Forscher Hyatt A. Verrill vermutet große Räder aus Stein, mit denen denen die Steinquarder transportiert sein sollen. Andere Quellen wissen davon nichts, wohl auch deswegen, weil davon auszugehen ist, dass die südamerikanischen Kulturen keine Räder kannten.

Sagen aus der Inkazeit sprechen vom Gott Pachayachachic der Blitzstrahlen, und von vernichtenden Wasserfluten mit welchen er aufsässige Menschen bestraft haben soll.

Der Schöpfergott Viracocha bestraft einst die ihn missachteten Sterblichen, die indem er Feuer vom Himmel regnen ließ: "Aus der Höhe regnete Feuer über sie und verbrannte den ganzen Ort; Erde und Steine brannten wie Stroh . . . Viracocha, von Mitleid erfasst, ging zum Feuer und löschte es mit seinem Stabe . . ." Auch diese Sage erinnert an uns Bekanntes: an die Vernichtung von Sodom und Gomorrha. In der Provinz Collao soll dieser Legenden nach, der Ort Cacha vernichtet worden sein. Hat das etwas mit einem solchen Feuerregen und auch dem Ende von Tiahuanaco zu tun? Waren die bunkerförmigen Bauten von Puma Puncu der Schutz gegen derartige Angriffe aus der Luft?

In einer andern Legende lässt Viracocha fast alle Menschen um den Titicacasee in einer Sintflut sterben, die Unu Pachakuti (Wasser-Zeitenwende) genannt wird. Zwei lässt er überleben, um die Zivilisation in die Welt zu bringen. In einer weiteren Legende schuf Viracocha die ersten acht zivilisierten Menschen. Schließlich wanderte er über die Meeresoberfläche in den Pazifik hinaus, mit dem Versprechen, einst wiederzukehren. Es erinnert an den Abschied anderer Kulturbringer.