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Kulturen Nord-Amerikas
Seit ca. 13000 Jahren besiedelt

Die Erforschung der Besiedlung von Nordamerika ist im Gegensatz zu Mittel- und Südamerika ziemlich gesichert. Die Besiedlung erfolgte nach heutigem Wissensstand in drei, bis vier Einwanderungswellen:

  1. Die erste Welle traf um etwa 13.000–11.000 v. Chr. von Asien her über eine Landbrücke bei der Beringstraße oder in Booten entlang der Küste ein. Die ältesten allgemein anerkannten archäologischen Spuren sind die der Clovis-Kultur, die etwa das genannte Alter hat. Sie finden sich im Südwesten der USA.
  2. Möglicherweise wanderten die Vorfahren der Algonkin in einer separaten Welle zwischen den Clovis und den Na-Dene nach Amerika.
  3. Mit der zweiten Welle trafen die Vorfahren der Na-Dene-Indianer ein.
  4. Mit der dritten Welle wanderten die Inuit ein.

Einige Funde wie der des Kennewick-Mannes lassen vermuten, dass möglicherweise weitere Gruppen von Europa oder Ozeanien aus den Weg nach Amerika gefunden haben. Diese Einwanderungswellen stimmen auch mit Ergebnissen des als einer großen Linguisten des 20. Jahrhunderts angesehenen Joseph Greenberg in seinem Buch Languages in the Americas überein, nach denen sich sämtliche indianischen Sprachen Amerikas auf drei untereinander nicht näher verwandte Sprachgruppen zurückführen lassen: Amerind, Na-Dene und Eskimo-Aleut.

Neben leicht abstrusen "Thesen" wie z.B. denen, die Indianer würden von den aus Israel vertriebenen jüdischen Stämmen abstammen, oder Amerika sei von Atlantis aus besiedelt worden, existieren auch besser belegte Hinweise auf präkolumbianische europäische Besiedlung. Gesichert ist, dass die Wikinger um 1000 n. Chr. in Neufundland (Kanada) eine Siedlung errichteten. Weiter gibt es umstrittene Hinweise, wonach der walisische Prinz Madoc im 12. Jahrhundert mit einer Gruppe nach Nordamerika gesegelt sein und sich im Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Kentucky, Georgia und Tennessee niedergelassen haben soll. Diese Gruppe soll den Indianerstamm der Mandan gegründet haben.

Die ersten Siedler trafen auf Großwild wie Mammute, Mastodonten, Moschusochsen, Riesenfaultiere, Elche, Karibus und Bären. Sie jagten diese Tiere mit Harpunen, Wurfspießen und Speerschleudern. Weiter sammelten sie Beeren, Nüsse und Wildreis. Entlang der Küsten fingen sie Fische. Zwischen 13.000 und 9.000 v. Chr. wich das Eis zurück und hinterließ große Seen und Flüsse, die sich zur Fischerei anboten.

Die erste bekannte Indianerkultur in Nordamerika war die Clovis-Kultur, benannt nach einer Fundstätte in New Mexico. Die Clovis-Menschen lebten etwa 11.600 v. Chr. bis 10.700 v. Chr. und waren Jäger von Mammut und anderem Großwild. Die folgende Folsom-Kultur (ca. 10.700 v. Chr. bis 8.500 v. Chr.) erstreckte sich von den Großen Seen über die Prärie bis in den Südwesten der USA. Sie zeichnete sich durch weiterentwickelte Pfeilspitzen und vermutlich durch ein erweitertes Beutespektrum aus. Die Mammuts scheinen zu jener Zeit am Aussterben gewesen zu sein, stattdessen gewannen die Bisons an Bedeutung.

Vermutlich etwa um 8.000 v. Chr. starben etliche der Großwildtiere aus, ob aufgrund übermäßigen Jagens oder aufgrund der Klimaveränderung, ist nicht geklärt. Gleichzeitig ermöglichte das wärmere Klima ab etwa 5000. v. Chr. Ackerbau (Cochise-Kultur), so dass in den folgenden Jahrtausenden etliche Indianervölker vom nomadischen Jäger- und Sammlertum zum sesshaften Ackerbau übergingen. Besonders im Südosten der heutigen USA schufen indianische Völker Hochkulturen. Ab der Cochise-Kultur entwickelten sich verschiedene Kulturen parallel. (siehe Liste der indianischen Kulturen

Eine Besonderheit in der nordamerikanischen Kulturgeschichte stellen die Mound-Builder-Kulturen (Adena und Hopewell) dar. Sie dauerten etwa von 1000 v. Chr. bis 400 v. Chr. und schufen riesige Erdhügel (Mounds), die vermutlich als Begräbnisstätten dienten. Die Mount-Builder-Kulturen gingen in die Mississippi-Kultur über, die hochstehende Gesellschaftsformen hervor brachten.

Aus Vermischung der Cochise- mit der Mogollon-Kultur entstanden etwa um 100 n. Chr. im Südwesten der heutigen USA die Anasazi mit ihren bekannten Lehmbauten an oder in Felswänden. Vermutlich löste eine Dürreperiode ab etwa 1150 n. Chr. eine Völkerwanderung aus und Gruppen der Nun-Kultur (Vorfahren der Paiute und Ute) sowie Gruppen der Fremont-Kultur (Vorfahren der Diné, Inde (Apachen) und Yuma) drängten in das Gebiet der Anasazi. Die Anasazi-Kultur ging in die Pueblo-Kultur über.

Liste indianischer Kulturen:

Kultur *) alternative Kultur von bis
Clovis-Kultur Folsom-Kultur 11.600 v. Chr. 10.700 v. Chr.
Folsom-Kultur   10.700 v. Chr. 8500 v. Chr.
Cochise-Kultur Hohokam-Kultur, Mogollon-Kultur 5000 v. Chr.  300 v. Chr.
Mogollon-Kultur Anasazi-Kultur 2000 v. Chr. 1000 v. Chr.
Meadowood-Kultur Adena-Kultur 1000 v. Chr. 500 v. Chr.
Adena-Kultur Hopewell-Kultur 500 v. Chr. 100 n. Chr
Hopewell-Kultur Mississippi-Kultur 100 v. Chr. 500 n. Chr.
Oshara-Kultur Anasazi-Kultur    
Anasazi-Kultur Pueblo-Kultur 100 n. Chr 1300 n. Chr.
Hohokam-Kultur Pima, Papago 300 n. Chr. 1500 n. Chr.
Fremont-Kultur Apache, Diné, Yuma 400 n. Chr. 1250 n. Chr.
Mississippi-Kultur Natchez 900 n. Chr. 1500 n. Chr.
Pueblo-Kultur   1300 n. Chr. heute

*) Link zum entsprechenden Wikipedia-Artikel