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Der Cliff Palace
Mesa Verde Nationalpark

Anasazi-Indianer
Die erste große indianische Kulturtradition Nordamerikas war die Kultur der Anasazi ("die Alten"), die seit 2000 Jahren im San-Juan Becken leben. Sie wurde von den Archäologen in sechs Abschnitte eingeteilt: zwei Basketmaker- und vier Pueblo-Perioden. Während der ersten nachgewiesenen Basketmaker-Periode (185 v. Chr.-400 n. Chr.) stellten die Anasazi Korbflechtarbeiten aus Yucca her. Zur Zeit der modifizierten Basketmaker-Kultur (400-750) begannen sie auch Keramiken zu fertigen.

Die ersten Ansiedlungen waren nicht ständig bewohnt, später wurden auch dauerhafte Grubenhaussiedlungen errichtet. Die Anasazi bauten Mais, Bohnen und Baumwolle auf bewässerten Feldern der Hochebene an und jagten Bisons, deren Wanderungen sie folgten.

Während der Abschnitte Pueblo I und II (750-1050) begann man, die Häuser am Rand der Canyons anzulegen. Jedes Dorf verfügte über mindestens eine Kiva, den unterirdischen Versammlungsort. Während der klassischen Pueblo-Periode (Stufe III; 1050-1300), dem Höhepunkt der Anasazi-Kultur, kam es zu einem großen Bevölkerungszuwachs; die Dörfer wurden in Felsnischen verlegt, meist unter einem großen Felsvorsprung im obersten Felsband der Canyonwände, wo man nur mit Leitern und Seilen hingelangen konnte. Das Leben spielte sich in den offenen Höfen vor den Häusern ab.

Für die Jahre 1276-1299 konnte eine lange Dürrezeit nachgewiesen werden, die für die Anasazi vielleicht der Grund für das plötzliche Verlassen des Gebietes war. Während der Periode Pueblo IV (1300-1600) erreichten die Navajo-Indianer, die Apachen und schließlich auch die Spanier die Mesa Verde. Die wenigen Nachkommen jener Indianer leiteten eine weitere Pueblo-Kultur ein, die sich bis heute erhalten konnte.

Der Mesa Verde Nationalpark
Mesa Verde ist ein dicht bewaldeter und zerklüfteter Tafelberg, der sich von der umliegenden Landschaft des südwestlichen Colorado um etwas mehr als 600 Meter abhebt und damit an seinem höchsten Punkt fast 2.600 Metern erreicht. Der Mesa-Verde-Nationalpark liegt im Südwesten Colorados, an der Grenze zu New Mexico, in der Nähe der Stadt Cortez. Das Gebiet umfasst 211 km2 der Mesas (Sandsteinhochebenen), von deren bis zu 600 m hohe Felswände senkrecht zu den Canyons abfallen.

Ca. 4000 archäologische Stätten befinden sich im Mesa-Verde-Nationalpark. Die bekanntesten davon sind die etwa 600 Cliff Dwellings, Dörfer aus Felsen, die zwischen 1000-1300 n. Chr. von den Anasazi-Indianern in Canyonwänden angelegt wurden. Das größte dieser Dörfer ist der Cliff Palace. Er besitzt mehr als 200 Zimmern und 23 runden, unterirdischen Kivas (Versammlungsräume).

Cowboys die nach verirrten Rindern suchten, entdeckten 1888 die verlassene Höhlensiedlung. Die ersten Grabungen wurden 1891 heimlich vom schwedischen Geologen Gustaf Nordenskiöld durchgeführt, der dann wegen "Vandalismus" zu unrecht verhaftet wurde. Er ging bei seinen Grabungen äußerst systematisch und genau vor und publizierte die Resultate seiner Untersuchungen. Am 29. Juni 1906 wurde zum Schutz der Anasazi-Siedlungen der heute kulturhistorisch bedeutsamste Nationalpark der Vereinigten Staaten gegründet. Danach wurden offiziell archäologische Grabungen und Untersuchungen vorgenommen, die 1959-1972 stark intensiviert wurden. Er war nach dem Yellowstone in Wyoming erst der zweite US-Nationalpark und wurde am 6. September 1978 in die Liste der Weltkulturerben der UNESCO aufgenommen. 1976 entdeckte Ray Williamson einige Bauten, die als astronomische Observatorien zur Berechnung des Sonnenzyklus und der Sonnenwenden gedient hatten.

Die Anasazi-Indianern durchzogen dieses Gebiet bereits ab dem 2. Jh. v. Chr. als Nomaden. Ihre Nachkommen leben auch heute noch hier. Es können 20 Stätten besichtigt werden, wobei die bekanntesten der Cliff Palace (die größte), Balcony House, Long House, Spruce Tree House und Step House sind.

Lage des Cliff Palace
Der Cliff Palace ist die größte Cliff-Dwelling-Siedlung des Mesa-Verde-Nationalparks. Er liegt in einer Nische mit einem Felsvorsprung am oberen Felsband der Sandsteinwand zwischen Cliff Canyon und Soda Canyon in 2013 m Höhe. Die Nische selbst ist 15 m hoch, ca. 120 m lang und ca. 25 m tief eingekerbt.

Square Tower House

Die Siedlung selbst bestand aus Sandstein gemauerten Häusern die bis zu 3 Stockwerke aufweisen. Es fanden sich mehr als 200 Räumen mit je 6-8 m2, zwei Türmen und gut 23 Kivas. Nach Daten der Dendrochronologie siedelten sich die Anasazi-Indianer um 1073 hier an. Der gewählte Standort hatte entscheidende Vorteile: Sie fanden Schutz vor Überfällen kriegerischer Stämme der Hochebene sie waren hier aber auch vor Regen gut geschützt und im Sommer bot die überdachte Höhle kühlen Schatten. Die hoch stehende Sonne erreichte gerade noch die Vorderseite der Häuser. Im Winter jedoch konnte die niedriger stehende Sonne auf alle Häuser des Dorfes fallen und sie erwärmen. Sie hatten so eine natürliche Klimatisierung ihrer Siedlung



Lebensweise
Die 250 Dorfbewohner konnten sich auf zwei Terrassen (plazas) um ein offenes Feuer, versammeln, die vor dem Dorf angelegt waren. Die Häuser scheinen in Gruppen für einzelne Sippen angeordnet gewesen zu sein, die über einen kleinen gedeckten Hof und eine Kiva verfügten. Die Räume in den oberen Stockwerken besitzen kleine Fenster, manchmal mit einer ungewöhnlichen "T"-Form, oben waren sie also breiter. Diese Form erleichtert aber einer Personen die eine Last auf den Schultern trägt den Durchgang. Die oberen Eingänge wurden über Stiegen Leitern oder Vorsprünge erreicht. Die ebenerdigen Räume haben nur von innen Eingänge und waren vermutlich Lagerräume und Werkstätten in denen Keramiken hergestellt und Getreide gelagert und gemahlen wurde. Die Getreidespeicher und Kleintierställe befanden sich hinter den Häusern.
Das gesellschaftliche Leben spielte sich in den so genannten Kivas ab. Hier trafen sich die Männer des Stammes, um zu beratschlagen oder religiöse Riten zu vollziehen. Die Kivas sind halb oder ganz unterirdisch angelegte, runde Räume. Jede Kiva ist mit einer Feuerstelle sowie einem Luftschacht ausgestattet. Sie hatten 4,6-6 m Durchmesser, waren nicht ganz 2 m hoch und rundherum mit 60 cm hohen Steinsitzbänken umgeben und wurden meist von sechs Pfeilern gestützt. Einige Kivas waren untereinander und durch unterirdische Tunnel mit in der Nähe befindlichen mehrstöckigen Türmen verbunden (der Zweck der Türme ist nicht bekannt). Ihre Eingänge sind nach dem Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zur Zeit der Sonnenwenden ausgerichtet. Es wurden vermutlich auch astronomische Beobachtungen vorgenommen.

Die hohe Anzahl von 23 Kivas des Ciff Palace führte bei Archäologen zur Annahme, dass sie ein Zentrum für religiöse Zeremonien der gesamten Anasazi-Gesellschaft war, die sich hier regelmäßig versammelte.

Flucht aus dem Cliff Palace
Nach den Berechnungen des Alters anhand der Jahresringe von verbauten Tannenstämme (Dendrochronologie) wurde Cliff Palace und auch die anderen Dörfer der Region, nach 1272 plötzlich verlassen. Die Flucht war so überhastet gewesen alle Haushaltsgegenstände und Lebensmittelreserven zurückblieben. Die Ursache dieses Ereignisses, ist letztlich nichts bekannt.