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Tenochtitlan
Hauptstadt der Azteken

Die alte Azteken-Hauptstadt im Texcoco-See war eine prächtige, blühende Stadt und wurde 1521 von den Spaniern dem Erdboden gleichgemacht. Von seinen herrlichen Bauwerken sind in der heutigen mexikanischen Hauptstadt Mexiko noch Reste der Pyramide Templo Mayor und die Fundamente einiger weiterer Gebäude erhalten.

1325 erreichte eine Gruppe nomadischer Stämme, die sich Mexica nannten, unter ihrem Priester Tenoch das legendäre Gebiet von Aztlan. Sie nahmen eine Insel im Texcoco-See, nahe der bereits von den Tepaneken bewohnten Insel Tlatelolco, in Besitz und gründeten hier die Stadt Tenochtitlan. Im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte weitete sich die Stadt aus und nahm sämtliche umliegende Gebiete in sich auf. Es entstanden neue Handelswege und ein mächtiges Imperium. Die Zwillingsstadt Tlatelolco wuchs mit Tenochtitlan zusammen. Die riesige Hauptstadt war von einem mit Kanus befahrbaren Netz von Kanälen durchzogen und in vier symmetrische Sektoren geteilt. Im Zentrum war der heilige Bereich mit großartigen Tempeln, Ballspielplätzen, Palästen, Thermen, Schulen und zahlreichen blühenden Gärten, in welchen sich alle Arten von Haustieren und Geflügel tummelten. Drei Dammstraßen verbanden die Inselstadt mit dem Festland. Anfang des 16. Jh., zur Zeit seiner größten Blüte, zählte Tenochtitlan 300.000 Einwohner. Sonnenstein

Als am 8. November 1519 die Konquistadoren unter Hernan Cortes hier ankamen, präsentierte sich die aztekische Metropole in ihrer ganzen Pracht. Was dann passierte, ist bekannt: Die Spanier wurden mit großen Ehren empfangen, hintergingen jedoch arglistig die Gastfreundschaft Moctezumas II, der am 13. August 1521 gemeinsam mit Tausenden seiner Untertanen ermordet wurde. Danach wurde die Stadt bis auf die Grundmauern niedergerissen. Auf ihren Ruinen wurde Mexiko als Hauptstadt des spanischen Kolonialreiches errichtet, unter der nahezu alle Spuren der Azteken-Stadt verschwanden. Durch einige zufällige Funde (1780 stieß man auf die Statue der Muttergottheit Coatlicue und den Sonnenstein, der als Kalender diente) konnte man jedoch den Standort des Templo Mayor identifizieren. Diese Pyramide konnte bei den von Eduardo Matos Moctezuma geleiteten Grabungen (1978-1982) im Gebiet des heutigen Platzes der Drei Kulturen freigelegt werden.

Der heilige Bereich Tenochtitlans
Der heilige Bereich der alten Azteken-Hauptstadt umfasste auf einer Fläche von 350 x 300 m mit dem Templo Mayor in der Mitte, 78 Gebäude. Der Templo Mayor stand als Symbol für das Universum und war religiöses Zentrum des Reiches. Von hier führten Straßen in die vier Himmelsrichtungen, die jeweils von einer eigenen Gottheit beherrscht wurden. Der Tempel stand auch für die Dualität von Leben und Tod; die beiden Sanktuare auf der oberen Plattform der Pyramide waren Tlaloc, dem Gott des Wassers, des Regens und der Fruchtbarkeit, sowie Huitzilopochtli, dem Sonnen- und Kriegsgott, geweiht.
Der sakrale Bereich wurde zwischen 1325 und 1521 mehrmals verändert. Der Tempel stand auf einer rechteckigen Plattform, hatte die Form einer Pyramide mit vier oder fünf Stufen, war 30 m hoch und seine Hauptfassade war nach Westen gerichtet. Zwei nebeneinander verlaufende, äußerst steile Treppen führten zu den Sanktuaren auf der Spitze. In spanischen Chroniken wird berichtet, dass auf dem Altar des Chac-Mool Menschenopfer dargebracht und dann die Opfer die Treppen hinuntergeworfen wurden, wo sie zu Füßen der Zuschauer landeten. An der Basis der Pyramide standen mehrfarbige Kupferstatuen und geflügelte Schlangen aus Stein. Gegenüber befand sich ein runder, Quetzalcoatl geweihter Tempel und an der Ostseite zwei kleinere, die für Tezcatlipoca (dem bösen Bruder der Gefiederten Schlange) und Xipe Totec ("Unser Herr, der Geschundene") bestimmt waren. Auf der anderen Seite des Platzes befand sich der Adlertempel, der mit Reliefs eines Aufmarsches von Kriegern geschmückt war. Im Hof im Norden des Tempels stand die Schädelmauer des Ballspielplatzes. Unweit davon lagen die Paläste von Axayacatl und Moctezuma, umgeben von blühenden Gärten.

Ausgrabungen am Templo Mayor
Der einfache, erste Tempelbau aus Rohr und Schlamm wurde 1325 im Zusammenhang mit einer Sonnenfinsternis errichtet. 1390 entstand die erste steinerne Stufenpyramide; sie war 15 m hoch und trug an der Spitze zwei Heiligtümer. 1431 wurde die Pyramide erweitert und ihre Stufen mit Skulpturen geschmückt. 1454 vergrößerte man die Hauptfassade und hinterlegte zahlreiche Opfergaben in dafür vorgesehenen Kammern am unteren Ende der Stufen. Die Plattform wurde mit Statuen, Altären und Schlangenskulpturen geschmückt. 1482 erbaute man im Norden des Tempels den Adlertempel, der für kriegerische Rituale vorgesehen war. 1486 vergrößerte man die Pyramide an allen Seiten und errichtete rundherum zwei weitere Tempel und vier Tempel, deren eines mit Skulpturen von 240 wie in den Schädelgerüsten aufgereihten Totenköpfen dekoriert war. 1502, nach seinem letzten Umbau, war der Templo Mayor 45 m hoch und die Plattform mit den Tempeln auf der Spitze umfasste 82 m2. Nach der Zerstörung durch die Spanier blieb nur noch die Basisplattform erhalten. Bei Grabungen konnten auch einige Statuen des Xochipilli (Gott der Blumen und der Poesie), von Adlern (Totemvogel), Adler-Kriegern, zahlreichen weiteren aztekischen Gottheiten und andere Gegenstände freigelegt werden.