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Besiedelung Amerikas
Nur 70 Erstsiedler?

Die Besiedelungsgeschichte Amerikas ist stark umstritten. Wahrscheinlich ist aber, dass der amerikanische Kontinent in mehreren Einwanderungswellen besiedelt worden ist und dass diese im Zeitraum von 28.000 v. Chr. und 9.000 v. Chr. Amerika erreichten. Die am häufigsten erwähnte Route führte von Sibirien über die Beringstraße nach Alaska und von da nach Süden über den ganzen Doppelkontinent. Nimmt man eine alleinige Einwanderung über diese Route an, so hätte man in Alaska die ältesten Spuren finden müssen. Der bisher älteste gesicherte archäologische Fund (ca. 13.800 v. Chr.) stammt jedoch aus Chile. Die Inuit als Bewohner der nördlichsten Regionen Amerikas sind erst mit der letzten großen voreuropäischen Einwanderungswelle dorthin gelangt.

Darum kommen für frühere ethnische Gruppen auch andere mögliche Einwanderungswege in Frage, etwa über Polynesien oder den Nordatlantik (z.B. die Grönlandbrücke). Für letzteres spricht u. a. die große Ähnlichkeit von Steinklingen der Clovis-Kultur mit europäischen Steinklingen aus derselben Zeit.

Jody Hey von der Rutgers-Universität in New Jersey berechnete, dass ursprünglich nur eine ganz geringe Anzahl von Menschen aus dem asiatischen Raum nach Amerika einwanderten.

Es gilt zwar mittlerweile als erwiesen, dass die Vorfahren der amerikanischen Ureinwohner von Sibirien aus vor knapp 14.000 Jahren einwanderten. Sie kamen über eine damals noch vorhandene Landbrücke an der Bering-See nach Alaska und verbreiteten sich von dort über den ganzen Kontinent. Dies ist anhand von Genanalysen herausgefunden worden. Es waren rund 70 Menschen die den Start zur Besiedlung Amerikas legten. Die Bevölkerung der Neuen Welt ging somit aus einer erstaunlich geringen Zahl an Menschen hervor.

Mithilfe eines Rechenmodells wurden neun Gene analysierte, die Aufschluss über die genetische Bevölkerungsgeschichte geben könnte. Dazu wurden DNA-Sequenzen von heute lebenden Asiaten und Ureinwohnern Amerikas verwendet. Die Untersuchung sollte unter anderem eine die ursprünglichen Populationsgröße abschätzen und den zeitlichen Ablauf der Besiedlung ermöglichen. Die Ergebnisse seiner Untersuchung legen nahe, dass es mit rund 70 Individuen nur eine sehr kleine Anzahl an Einwanderern aus Asien war, deren Gene die Grundlage für die Bevölkerung Amerikas bildeten. (Jody Hey, Rutgers-Universität, New Jersey: PLoS Biology, Bd. 3, S. e193.)

Die Einwanderer passten sich ihrer jeweiligen neuen Umwelt an, wurden Fischer, nomadische Jäger und Sammler oder sesshafte Ackerbauern. Sie züchteten Pflanzen wie Mais, Kürbis und Kartoffel. In Mittel- und Südamerika entwickelten die Indianer städtische Hochkulturen, die größtenteils erst von den spanischen Kolonisten vernichtet wurden. Tenochtitlan, die Hauptstadt des Aztekenreiches, war vor der Zerstörung durch Hernán Cortés' Truppen eine der größten Städte der Welt, größer als die europäischen Städte der Zeit. In Nordamerika existierten im östlichen Einzugsgebiet des Mississippi River komplexe Gemeinwesen (Templemound-Kulturen), die jedoch bis kurz vor Ankunft der ersten europäischen Siedler weitgehend zerfallen waren, wahrscheinlich wegen zahlreichen Krankheitserregern, die frühe europäische Entdecker mitgebracht hatten. An ihre Stelle traten kleinere Gemeinwesen von Überlebenden der Epidemien, die in dörflichen Gemeinschaften lebten und Ackerbau betrieben. Im Südwesten der heutigen USA entstanden teilweise mehrstöckige Lehmbausiedlungen mit bis zu 500 Räumen, die Pueblos.

Viehzucht konnte sich unter den indianischen Kulturen fast gar nicht entwickeln, da es außer dem Lama, anderen Kameloiden wie Alpaca und Vicuña im Reich der Inka, dem Truthahn und dem Wolf keine domestizierbaren Tierarten gab. Man ging zu Fuß und transportierte Lasten selbst. Würdenträger in hierarchischen Gesellschaften Mittel- und Südamerikas wurden mitunter auch in Sänften getragen. Als Lasttiere standen neben dem Lama der Inka nur noch Hunde für kleinere Lasten zur Verfügung, die man in Nordamerika in einfache dreieckige Schleppgeschirre, Travois, einspannte.

Die erste belegte europäische Besiedlung fand um 1000 n. Chr. statt, nachdem eine Gruppe Wikinger unter Leif Eriksson den Weg nach Amerika gefunden hatte. Sie gründeten in Neufundland eine Kolonie. Unklar ist, wie lange diese bevölkert war. Indizien deuten auf weitere europäische Besiedlungen Amerikas vor 1492 hin, diese sind allerdings unbelegt. Zum Beispiel die Theorie um den walisischen Prinz Madoc im 12. Jahrhundert, der manchen als Begründer des Stammes der Mandan gilt.